Die Feldbahnsinnigen

Forum für Modellfeld-und Kleinbahnen
Aktuelle Zeit: Mi 16. Okt 2019, 18:43

Alle Zeiten sind UTC + 1 Stunde [ Sommerzeit ]




Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 6 Beiträge ] 
Autor Nachricht
 Betreff des Beitrags: Aus Polystyrol wird Holz
BeitragVerfasst: Di 15. Dez 2009, 14:33 
Offline
Benutzeravatar

Registriert: Di 24. Nov 2009, 00:18
Beiträge: 264
Viele Modellbauer verwenden für die Darstellung von Holz, und was liegt da näher, natürlich Holz. Warum? Es hat die Farbe und die Maserung, denkt man. Aber trifft das zu? Mit der Farbe ist nichts anzufangen, zu hell, zu gelblich. Also muß farblich nachgearbeitet werden.
Die Maserung ist kaum sichtbar, muß also auch "erzeugt" werden. Dabei fasert das Holz in lauter lästige Fasern auf. Wenn man es schleift, was Arbeit macht, ist die Maserung auch davon betroffen. Ich finde Holz für Holz die schlechteste Lösung.
Das beste Holz ist Polystyrol, erhältlich in verschiedenen Stärken, je nach darzustellenden Teil: Bordwand, Bohlenbelag, Tür usw. Die Maserung wird je nach Zweck mehr oder weniger intensiv herausgearbeitet, von totaler Auflösung und Verwitterung bis neuwertig, die Farbgebung umfaßt das ganze Spektrum, von "natur" bis schwarz. Beizen, von vielen als Grundfarbe benutzt, entsprechen nicht der Natur, auch wenn es ihre Namen glauben machen wollen. Und Leimflecke, der Feind der Beizen, sind kein Thema mehr.
Wenn jetzt jemand einwenden will, ich würde selber ab und an Holz verwenden, dann hat er Recht. Aber mein Holz ist Uraltholz, weich, fasert nicht beim Bearbeiten und besitzt eine wunderschöne Grundfarbe durchs jahrelange Herumliegen in der Botanik. ZUm Beispiel:

Bild

Folgende Werkzeuge kommen zum Einsatz, sind nicht Pflicht, haben sich aber als ideal erwiesen.

Bild

1. Zeichnen der Teilung:

Bild

2. Einritzen der Fugen: Dabei wird der Stichel (wahrscheinlich Zahnarztbedarf) ohne Respekt
eingesetzt, bis die Tiefe erreicht ist. Das Teil ist dabei zu derehen, um über beide
Fugenenden zu gravieren. Wenn die Tiefe erreicht ist, wird der Stichel in der Fuge schräg
gestellt, um die Fuge beim Durchziehen V- fürmig aufzuweiten.

Bild

3. Um hier im Beispiel einen verwitterten und abgenutzten Bolenbelag darzustellen, kommt die
Roco- Schienensäge zum Einsatz. Die verbreitert und vertieft die bis dahin doch recht
zierliche Gravur. Abrutschen macht nichts, wird eh noch zur Absicht.

Bild

4. Jetzt erfolgt das eigentliche Einritzen der Maserung je nach Zweck, hier beim Belag recht
intensiv. Dabei wird mit schräggestellter Säge, also mit der Kante beim ersten Sägezahn,
parallel zum Brett mit starkem Druck eingeritzt. Dabei ist zu überlegen, welche Kratzer wie
anzulegen sind, gerade die, die quer über die Bretter gehen. Ich gehe dabei nicht zaghaft
vor und schaffe eine relativ große Anzahl von "Kratzern" pro Brett.

Bild

5. Jetzt werden die Brettenden gestaltet, Durchbrüche im Belag angelegt (deren Kanten
anschrägen) und die Micro- Maserung erzeugt. Dabei wird die Säge mit dem gesamten
Blatt parallel zum Brett bewegt. Das geschieht mehrmals, bis kein Stück unbearbeitetes
Polystyrol mehr zu sehen ist. Gleichzeitig verschwinden die ersten groben Späne vom Teil.
Die feine Maserung ist auf dem Bild nicht zu erkennen.

Bild

6. Nun wird verputzt, was im Vergleich zum Holz flott geht, denn es wird nur noch
abgetragen und nicht wie beim Holz, alles nur hin und her gebogen oder neue
Fasern geschaffen. Die Reihenfolge ist: Drahtbürste, Glasfaserradierer,
Sandpapier.

Bild

Bild

Bild

Dann sieht es endlich so aus:

Bild

Nach der Farbgebung in mehreren Schritten ist das Ergebnis erstmals richtig sichtbar. Das Thema Farbgebung wird eine eigene Geschichte, den die ist umfangreich und unheimlich vielgestaltig. Siehe hier:

http://www.die-feldbahnsinnigen.de/forum/viewtopic.php?f=13&t=75&p=258#p258

Die Beläge gehören zu Ronalds gefederten Loren, die ich farblich gestaltet habe und dabei gleich mit neuen, "vergammelten" Bohlenbelägen versehen habe.

Bild


Bild

Bild

Bild

Ich würde mich freuen, wenns weiterhilft.

BW Hilbersdorf FBSM

_________________
Die gewachsene Struktur wuchs durch peinliche Ordnung!


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Aus Polystyrol wird Holz
BeitragVerfasst: Di 15. Dez 2009, 21:11 
Offline
Benutzeravatar

Registriert: Fr 27. Nov 2009, 22:07
Beiträge: 146
Wohnort: Uhlenbüttel
Moin BW Hilbersdorf,*

da sag' ich doch erst einmal vielen Dank für die eindrucksvolle Demonstration "aus Plastik wird Holz" ... :shock:

Über das nötige Werkzeug verfüge ich, so dass ich am Wochenende - oder spätestens "über die Feiertage" mich auch einmal daran versuchen will ...

Freundiche Grüße
Gerald

* P.S. Willst Du Dir nicht vielleicht doch noch einen Vornamen zulegen ... ?

_________________
Gerald
Feldbahnmodellbau in 1:16 und 1:22,5
Scale 1/16 and 1/22,5 light industrial railway modelling


Nach oben
 Profil E-Mail senden  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Aus Polystyrol wird Holz
BeitragVerfasst: Mo 21. Dez 2009, 21:01 
Offline

Registriert: So 13. Dez 2009, 20:22
Beiträge: 7
Wohnort: Amsterdam
Hallo BW Hilbersdorf,

Alle Achtung fuer dein Modellbauleistungen! Bin nur Kurz mittglied hier, aber habe mir schon al deine schoene Beitrage mit grosse Interesse gelesen und angeschaut.

Obwohl ich auch von meinung bin das mann -sicherlich in die kleine Masstaben- schoenes "Holz" aus Kunststoff machen kann, finde ich echtes Holz doch auch sehr Prima zu Brauchen. Ich arbeite u.a. mit Balsaholz was sich sehr leicht und sauber bearbeiten last und eine schoene "Masstaebliche Zeichnung hat. Farblich nacharbeiten ist idt noetig, bei Kunststoff aber auch. Anbei ein par Bilder von fuer ein Diorama in aufbau bearbeites Holz und nicht-holz (u.a. die Holz-Faesser), 1:35. Um holz dazustellen farbe ich zuerst das Holz oder Polystyrol in weiss (Acrylfarbe), dann nach trocknung ein "Wash" mit fluessige braun Oelfarben, dann ein Wash Schwarz und dann ein "Dry-brush" mit creme und weiss

Bild

Bild

Bild

Bild

Bild

_________________
MfG.

Arnoud Bongaards - Amsterdam
____http://WWW.DECAUVILLE.NL____

Bild


Nach oben
 Profil E-Mail senden  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Aus Polystyrol wird Holz
BeitragVerfasst: Mi 23. Dez 2009, 14:46 
Offline
Benutzeravatar

Registriert: Di 24. Nov 2009, 00:18
Beiträge: 264
Hallo in die Niederlande,
die Bilder sind toll. Schade, daß es sich immer so schlecht fotografieren läßt und Farbschwankungen entstehen. Klar, daß jeder seine Methode entwickelt und auch seinen "Blick" auf die Dinge. Ich mag es etwas marode, benutzt. Die Benzinfässer finde ich klasse. Ich hänge mal paar Bilder an, in denen auch Holz vorkommt, lackiert oder roh.

Bild

Bild

Bild

Bild

Bild

Bild

Bild

Bild

Bild

Bild

Viele Grüße
BW Hilbersdorf FBSM

_________________
Die gewachsene Struktur wuchs durch peinliche Ordnung!


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Aus Polystyrol wird Holz
BeitragVerfasst: Sa 26. Nov 2011, 18:57 
Offline
Administrator
Benutzeravatar

Registriert: Mo 23. Nov 2009, 22:48
Beiträge: 2155
Hallo,
Holz aus "Plaste" schnitzen ist gar nicht so schwer, wie bei vielen Sachen, macht auch hier Übung den (Schnitz) Meister.

Bild
Mein erstes Probestück

Bild
Es wurden nur leichte Verwitterungsspuren eingearbeitet, da das "Holz" für den "Inneneinsatz" vorgesehen wurde.

Eine praktische Anwendung:
Die Innenverkleidung eines Personenwagens.
Bild

Bild
Zuerst wurden die Bretterfugen eingeritz. Praktischerweise habe ich gleich braun eingefärbtes Polysterol benutzt ;-)

Bild
danach erfolgte mittels Drahtbürste und einem Feinsägeblatt das Einritzen der Bretterstruktur.
Ich habe anschließend mit feinem Sandpapier das Ganze überschliffen, wieder geritzt und geschliffen.

Bild
Somit ergibt sich nur eine leichte Maserung, wie es für die Innenholzverkleidung von Personenwagen typisch war.
Leider bin ich mit dem Wagen noch nicht viel weiter gekommen :-(
Wird schon noch 8-)

MfG

Ronald

_________________
"Hoffentlich wird es nicht so schlimm, wie es schon ist!"

Karl Valentin


Nach oben
 Profil E-Mail senden  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Aus Polystyrol wird Holz
BeitragVerfasst: So 27. Nov 2011, 11:35 
Offline

Registriert: Di 29. Mär 2011, 15:48
Beiträge: 2164
Moin,

ich denke, jeder ernsthafte Modellbauer "kratzt" mehr oder weniger an seinen Bauteilen herum, um etwas Struktur zu erhalten.

Maßstäbliche Maserung lässt sich kaum nachbilden, aber vielleicht Spuren der Säge, Altersrisse, Verfall, Spuren von Wind und Wetter....

Vor einigen Jahren habe ich mal an einem Bausatz des Lokschuppens Wallhausen (Fa. Krafthöfer) gearbeitet. Ausser dem Tor und dem Dachstuhl sind dort wenig Holzteile vorhanden.

In das Material, ich meine es war Forex, lassen sich relativ schnell mit einer alten Säge Strukturen "einkratzen"

Bild

Bild

Da man den Dachstuhl und die Unterseite des Daches später kaum noch sieht, braucht man sich farbmässig und gestalterisch nicht viel M+ühe geben.
Mehr Aufwand kann man an dem Holztor treiben. Allerdings ist der Vorbildschuppen noch sehr gut erhalten und erst vor wenigen Jahren restauriert worden.

Bild

Mein Ensemble steht auf einer 120 x 60 cm Fläche. Gleismaterial ist Peco Code 250, 45mm Spur. Die Vorbildbahn hatte allerdungs nur 750 mm.
Wen ich diesen Link sehe, fällt mir auf, das ist auch schon wieder über 7 Jahre her, dass ich an dem Teil gebastelt habe http://gartenbahn-forum.de/s.php?n=274752

Viel Spaß

JZ / Otter 1


Nach oben
 Profil E-Mail senden  
 
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:  Sortiere nach  
Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 6 Beiträge ] 

Alle Zeiten sind UTC + 1 Stunde [ Sommerzeit ]


Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast


Du darfst keine neuen Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst keine Antworten zu Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht ändern.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Du darfst keine Dateianhänge in diesem Forum erstellen.

Suche nach:
Gehe zu:  
Impressum

Powered by phpBB © 2000, 2002, 2005, 2007 phpBB Group
Deutsche Übersetzung durch phpBB.de